Es gibt Momente, in denen Musik mehr ist als Unterhaltung. Am Samstag, 30. Mai 2026, war die historische Reinhard-Fieser-Brücke in Baden-Baden ein solcher Ort. Was die Interessengemeinschaft „Musiker stehen auf“ und der Verein „Mensch PRO Natur Mittelbaden e.V.“ unter dem Motto „Musik kennt keine Grenzen“ auf die Beine gestellt hatten, war kein gewöhnlicher Konzertnachmittag, sondern ein gelebtes Bekenntnis zu Frieden, Vielfalt und Menschlichkeit. Radio NWW war als Medienpartner mit dabei und hat die Veranstaltung in voller Länge live übertragen. Heute, mit etwas Abstand, ziehen wir Bilanz.
Frieden als etwas, das sich zu erstreben lohnt
Das Bemerkenswerteste vorweg: Hier wurde der Frieden gefeiert, nicht beschworen. Bewusst verzichteten die Veranstalter auf Kampfparolen und die typischen Elemente, die man von Kundgebungen kennt. Stattdessen sollten Musik, Dialog und das Miteinander die Menschen ins Fühlen, ins Nachdenken und zur Wertschätzung von Frieden und Freiheit bringen. Und genau das ist gelungen.
Das Radio-NWW-Team, das den Tag aus nächster Nähe begleitet hat, sammelte vielfältige Eindrücke – und durchweg positive. Uns selbst wurde sehr viel Wohlwollen, Wertschätzung und Wahrhaftigkeit zuteil. Es war eine Atmosphäre, in der das Verbindende über das Trennende gestellt wurde, nicht als Phrase, sondern als spürbare Haltung.
Eine Begegnung, die alles auf den Punkt bringt
Wie tief Gräben durch die Bevölkerung getrieben wurden, zeigte sich in einer kleinen Szene am Technikstandort von Radio NWW. Eine Passantin blieb stehen und fragte, was hier eigentlich gefeiert werde. Eine Veranstaltung für den Frieden, lautete die Antwort. Auf der Bühne präsentierte zu diesem Zeitpunkt eine Gruppe russische Folklore – Kinder und Jugendliche zwischen vier und siebzehn Jahren, die mit Holzlöffeln musizierten.
Die Reaktion der Passantin fiel abweisend aus: Russland und Frieden, das passe doch nicht zusammen. Und ob denn auch Ukrainer dabei seien. Die Antwort blieb ruhig und klar: derzeit nicht – aber eingeladen ist jeder. Wir hielten weiter dagegen und fragten, ob sie wirklich glaube, dass diese Kinder, die da oben mit sichtlicher Freude musizieren, einen Krieg befürworten. Die Antwort kam resigniert: „Ich weiß es nicht.“
Dieser eine Satz lässt aufhorchen. Hier äußerte sich nicht Bosheit, sondern Verunsicherung – die Spur einer Spaltung, die sich tief eingegraben hat. Wenn ein Mensch beim Anblick musizierender Kinder nicht mehr sicher zu sagen weiß, ob diese für oder gegen den Frieden stehen, dann stellt sich die Frage, woher diese Verunsicherung rührt. So viel zum Thema „öffentliche Meinung“: ob diese Meinung wirklich immer so öffentlich ist – oder ob sie öffentlich gemacht wird. Das ist hier die Frage.
Genau hier setzte das Konzert an. Hier wurde niemand aufgrund seiner Herkunft bewertet, niemand ausgegrenzt, und der Dialog wurde mit keinem gescheut – auch nicht mit jener Passantin. Dass mit dem Traumapädagogen und Rapper Konstantin Junker ein Künstler auf der Bühne stand, der sich intensiv mit traumatisierten Kindern befasst, passte zu dieser Grundhaltung wie kaum etwas anderes.
Vielfalt, die man hören konnte
Musikalisch war, wie angekündigt, alles dabei. Viktoria Wochner spannte mit ihrer kraftvollen Stimme den Bogen von Pop über Soul bis Rock und verband mühelos die Generationen. Das Ensemble Lozhkari brachte russische Folklore und die Lebensfreude rhythmischer Löffelklänge auf die Bühne. Konstantin Junker erzählte in seinem ganz persönlichen Hip-Hop authentische Geschichten, und gemeinsam mit Arne Schmitt am Klavier wurde aus „Hip-Hop meets Klassik“ ein Brückenschlag, der zeigte, dass Stilgrenzen nichts weiter sind als Einladungen, sie zu überwinden. Folklore, Pop, Rock, Piano und Hip-Hop der ganz besonderen Art – die Vielfalt war kein Programmpunkt, sie war die Botschaft.
Das Finale: Heal the World
Den emotionalen Höhepunkt setzte das gemeinsame Finale. Moderator Josef „Joe“ Katz rief alle Musikerinnen und Musiker zurück auf die Bühne – „Hallo, auf die Bühne mit euch“ – und stimmte mit Viktoria Wochner und dem Ensemble Lozhkari ein zweites Mal Michael Jacksons „Heal the World“ an. Während Viktoria Wochner das Zeichen an die Regie gab, standen sie am Ende alle zusammen: die jungen Leute, die Musiker, alle, die diesen Tag getragen hatten.
„Was für ein tolles Finale“, brachte es Joe Katz auf den Punkt, sichtlich bewegt. Sein Dank ging an alle, die mitgewirkt hatten, an die Musiker, an die jungen Leute, an alle, die da waren. Und er sprach den Wunsch aus, der über dem ganzen Tag stand: dass die Menschen das, was sie hier erlebt haben, ihren Freunden weitererzählen. Verbunden mit einem Versprechen: „Wir kommen nächstes Jahr wieder.“
Das Radio-NWW-Team und die Technik
Eine Übertragung wie diese steht und fällt mit dem Team dahinter. Unser Dank gilt dem gesamten Radio-NWW-Team, das vor Ort und im Hintergrund Hand in Hand gearbeitet hat. Besonders hervorheben möchten wir die ausgezeichnete Zusammenarbeit mit den Tontechnikern vor Ort unter der Leitung von Alexander Schucker. Erst dieses reibungslose Zusammenspiel hat es möglich gemacht, den Sound der Freiheit in voller Länge und bester Qualität zu denjenigen zu tragen, die nicht persönlich nach Baden-Baden kommen konnten.
Fazit: Eine Flamme, die weiterleuchten soll
Das Friedenskonzert war eine rundum gelungene Veranstaltung für Frieden und Freiheit – und es schreit geradezu nach Wiederholung. Mehr noch: nach Nachahmern, die dieses Konzept echt und wertschätzend in alle Winkel dieser Welt tragen, damit die Flamme, die nicht erst in Baden-Baden entzündet wurde, für den Frieden noch heller leuchtet.
Radio NWW bekennt sich zum Miteinander, zum Frieden, gegen den Krieg, gegen die Bestrebungen zur Kriegstüchtigkeit. Wir bekennen uns dazu, ins Fühlen zu gehen, zur Wertschätzung und zum uneingeschränkten, grenzenlosen Dialog. Wir haben dieses Ereignis nicht aus strategischen Marketing-Erwägungen begleitet, sondern aus tiefer Überzeugung. Und wir freuen uns schon jetzt auf das nächste Jahr – denn der Sound der Freiheit hat erst begonnen zu klingen.




