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RPWL - The Fisherman

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Weiter Blick über den ruhigen Rothsee bei Zusmarshausen, umgeben von bewaldeten Ufern unter blauem Himmel.
Von Weitem schimmert der Rothsee grün und einladend – von einem „Schlammloch“, wie das Gerede behauptet, keine Spur. (Foto: Jörg Bonfert)

Warum einer der schönsten Seen der Region viel mehr verdient als sein Ruf – und warum dieser Sommer der richtige ist, ihn neu zu entdecken.

Es gibt diesen einen Satz. Fast jeder in der Region hat ihn schon gehört, viele haben ihn selbst gesagt, meist mit hochgezogener Augenbraue: „Was? In den Rothsee? Da gehst du rein?"

Und dann steht man tatsächlich dort, das erste Mal, und wundert sich, wovon diese Leute eigentlich reden. Was einem als Erstes auffällt, ist gar nicht das Wasser. Es sind die Menschen. Sie sind freundlich, entspannt, sie sind gerne hier – man merkt das sofort. Mein erster Gedanke war ziemlich schlicht: Das ist ein kleiner See, aber er hat Charme. Und je öfter man kommt, desto klarer wird, dass hinter diesem Charme jede Menge Arbeit steckt.

Ein See, um den sich jemand kümmert

Neulich stand am Ufer ein Mitarbeiter der Gemeinde und hat ein Loch zugeschüttet, das gefährlich geworden war. Ein anderer war mit der Badeinsel draußen in der Seemitte beschäftigt und hat sie von Entengrütze befreit. Nichts Großes, keine Schlagzeile – aber genau solche Kleinigkeiten machen den Unterschied zwischen einem gepflegten Naherholungsgebiet und einem, das man verkommen lässt. Hier lässt man nichts verkommen.

Das sieht man auch an den Sanitäranlagen, und das ist ein Punkt, den man gar nicht hoch genug hängen kann. Es gibt Toiletten, um die sich jemand kümmert – sie sind sauber und gepflegt, nicht nur am ersten Schönwettertag. Und es gibt eine Frischwasserdusche, die jeder nutzen kann. Wer nach dem Sprung in den See das weiche, etwas trübe Wasser abspülen will, tut das einfach – was ohnehin nie verkehrt ist. Wer also Bedenken wegen der Färbung hat: Steig rein, genieß es, dusch dich danach ab. Fertig. So einfach ist das.

Und das alles kostet keinen Cent. Kein Kassenhäuschen, keine Schranke, keine Tageskarte.

Der See, der auch ohne Auto zu erreichen ist

Es gibt noch etwas, das den Rothsee besonders macht, und das fällt fast nur denen auf, die kein Auto haben oder keins nehmen wollen: Er ist mit dem Bus gut zu erreichen. Das ist alles andere als selbstverständlich. Die meisten Badeseen der Region erreicht man praktisch nur mit dem Auto, bestenfalls mit dem Rad. Zum Rothsee dagegen fahren gleich mehrere Linien. Das Rückgrat ist die 506, die vom Augsburger Hauptbahnhof nach Zusmarshausen fährt; die 506e nimmt ab dem Klinikum die kürzere Strecke. Der Rothsee ist dabei die erste Haltestelle in der Kerngemeinde Zusmarshausen – er wird also immer angefahren, egal wo die Fahrt endet. Von der Haltestelle sind es nur rund drei Gehminuten bis ans Wasser. Und das Beste kommt noch: Direkt an dieser Haltestelle liegt ein bekannter Discounter. Wer sein Picknick vergessen hat, deckt sich einfach beim Aussteigen ein und läuft die paar Schritte zum See. Für Familien ohne Zweitwagen, für junge Leute, für alle, die ohne Parkplatzstress an den See wollen, ist das ein echtes Geschenk.

Reden wir auch über das, was stimmt

Wir bügeln nichts glatt – sonst wäre alles Weitere nichts wert. Der Rothsee hatte Probleme, und die gehören auf den Tisch.

Im September 2025 hat das Gesundheitsamt ein Badeverbot ausgesprochen, nachdem eine Routineprobe zu hohe Werte an Fäkalkeimen gezeigt hatte. Das war richtig, und das Amt hat genau das getan, wofür es da ist. Nur endet die Geschichte gut: Nach den Kontrollproben stimmten die Werte wieder, das Baden war wieder uneingeschränkt möglich. Und das Ganze fiel ans Ende der Saison, nicht in den Hochsommer.

Wer daraus einen Dauerzustand macht, hat nicht hingeschaut. Ein Fäkalkeim-Badeverbot gab es davor zuletzt 2020, Blaualgen-Warnungen 2023 und 2025, eine Entenfloh-Warnung 2019. Das ist die ganze Liste über Jahre hinweg. Blaualgen, Zerkarien, mal schwankende Keimwerte – das haben andere Seen genauso, quer durch Schwaben und Oberbayern. Nur wird beim Rothsee daraus ein Urteil, während man dieselben Dinge anderswo achselzuckend hinnimmt. Das ist nicht fair, und einen Grund dafür gibt es nicht.

Wer es genau wissen will, muss sich übrigens weder auf Gerüchte noch auf uns verlassen: Die Wasserqualität steht in der offiziellen Bade-Ampel des Landkreises Augsburg, öffentlich einsehbar, während der Saison regelmäßig geprüft. Und wer diesen Sommer die Gäste am Ufer fragt, hört das, was auch mir aufgefallen ist: Die Leute fühlen sich hier wohl.

Die Sache mit der Färbung

Bleibt der Vorwurf, der eigentlich keiner ist: das Aussehen. Und seien wir ehrlich, das Wasser ist trüb. Von Weitem schimmert es grün und einladend, aber wer drin schwimmt, sieht in einem Meter Tiefe die eigenen Arme kaum noch. Das ist so, das reden wir nicht weg.

Nur: Trübung ist nicht Schmutz. Der See stinkt nicht. Er schmeckt nicht einmal komisch, wenn beim Schwimmen doch mal etwas Wasser an die Lippen kommt – und das lässt sich ja nie ganz vermeiden. Man trinkt es nicht, klar, aber es ist eben nichts Ekliges, nichts Fauliges. Es ist einfach das weiche, sedimentreiche Wasser eines flachen Stausees, in den die Roth seit jeher feines Material einträgt.

Und da muss man dann doch mal zurückfragen: Seit wann ist Durchsichtigkeit ein Beweis für Sauberkeit? Der Rothsee ist an der tiefsten Stelle nur zweieinhalb Meter tief, ein lebendiges, durchflossenes Gewässer mitten im Naturpark. Wer glaubt, das glasklare Chlorbecken im Freibad sei sauberer, in dem an Hitzetagen Hunderte liegen und die Kinder reinpinkeln, der macht sich was vor. Klar heißt nicht sauber. Klar heißt nur klar.

Vielleicht ist das der eigentliche Punkt. Wir haben uns so sehr an das Sterile gewöhnt, an das Aussehen-wie-aus-der-Werbung, dass uns das Echte fremd geworden ist. Dabei ist genau das Weiche, Warme, Lebendige das Eigentliche. Ein See ist kein Fehler, den man wegchloren müsste. Er ist das Original.

Etwas, worauf man sich freuen darf

Und dass an diesem See gearbeitet wird, ist keine leere Behauptung. Die Verschlammung durch die Roth ist ein altes, bekanntes Thema – entschlammt wird seit 1998, wieder 2011 und 2012, 2023 kam ein Sedimentbecken dazu, im November 2025 weitere. Über zwei Jahrzehnte Mühe für einen einzigen kleinen See. In der Zeitung hieß er mal das „liebste Kind der Zusser". Genauso wird er auch behandelt.

Was also bleibt, wenn man das ganze Gerede mal beiseitelässt? Eine 800 Meter lange Liegewiese, weit genug für jeden. Ein bewachter Badebetrieb, die Wasserwacht ist da. Ein Spielplatz und ein Kinder-Wasserspielplatz zum Matschen, sogar mit Schwengelpumpe, ein Grillhäuschen. Und weil der See zwei Uferseiten hat, gibt es sogar noch mehr zu entdecken, als man auf den ersten Besuch mitbekommt. Im Winter, wenn der See zufriert, laufen die Leute Schlittschuh und schießen Eisstock auf derselben Fläche, auf der sie im Sommer in der Sonne liegen. Und über allem diese Ruhe, die man an den großen, überlaufenen Seen längst nicht mehr findet.

Liegewiese am Rothsee mit großem schattenspendendem Baum und einem Steg mit Rettungsring am Ufer.
Schatten, Wiese, Wasser: An heißen Tagen findet man unter den Bäumen am Ufer genau die Ruhe, die an den großen Seen längst verloren gegangen ist. (Foto: Jörg Bonfert)

Dass hier oft nur wenige Leute sind, ist kein schlechtes Zeichen. Es ist die Folge des Geredes – und für alle, die den Trubel scheuen, ehrlich gesagt das Beste am Rothsee.

Anfahrt und praktische Tipps

Hölzerner Badesteg am Rothsee, der ins ruhige Wasser hinausführt, mit Rettungsring am Geländer.
Der Steg lädt zum Sprung ins kühle Nass – die Wasserwacht ist während der Saison vor Ort. (Foto: Jörg Bonfert)

Der Rothsee liegt rund 20 Kilometer westlich von Augsburg an der B10, etwa einen Kilometer südlich der A8-Ausfahrt Zusmarshausen. Kostenlose Parkplätze gibt es reichlich. Wer ohne Auto kommt, nimmt am besten die Buslinie 506 vom Augsburger Hauptbahnhof nach Zusmarshausen (die 506e fährt ab Klinikum eine kürzere Strecke) – von der Haltestelle sind es nur etwa drei Minuten zu Fuß, und ein Discounter direkt daneben rettet jedes vergessene Picknick. Rund um den See führt ein knapp 2,3 Kilometer langer Rundweg, gut in einer halben Stunde zu gehen, eben und auch mit Kinderwagen machbar. Radfahrer erreichen den See über einen durchgehenden, asphaltierten Radweg von Steppach bis Zusmarshausen.

Mach mit – das ist deine Kampagne

Wir bei Radio NWW starten mit diesem Artikel eine Sommer-Kampagne für den Rothsee, weil uns diese Region am Herzen liegt. Nicht, weil wir etwas verkaufen wollen – wir sind ein nichtkommerzielles Radio –, sondern weil ein schönes Stück Heimat es nicht verdient, kaputtgeredet zu werden.

Also: Pack die Badesachen ein und fahr raus. Leg dich in die Sonne, lass die Kinder toben, spring rein – und wenn dir das trübe Wasser Sorgen macht, dusch dich danach ab, die Dusche steht bereit. Und dann erzähl es uns: deine Fotos, deine Geschichten, deine Rothsee-Momente. Alle Kontaktmöglichkeiten findest du auf unserer Webseite.

Zeigen wir gemeinsam, was der Rothsee wirklich ist. Und wenn dann das nächste Mal jemand fragt: „Was? In den Rothsee? Da gehst du rein?", dann gibt es nur eine richtige Antwort:

Ja. Und zwar gern.

Freitag, 31.07.2026

Der Prog-Rock Express
von 20:00 - 23:59 Uhr

4 Stunden Progressive Rock vom Feinsten!
Moderation:
Bild von Beat Nyfeler
Beat Nyfeler
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Beat präsentiert Progressive Rock von gestern bis heute. Hier hört man auch Titel, die kaum im Radio laufen. Auch mal in Überlänge. Wir fahren mit dem Prog-Rock-Express durch die Welt des Progressive Rock!

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